Caspar Wolf
Der Geltenschuss-Wasserfall im Lauenental, 1778
Caspar Wolf
Der Geltenschuss-Wasserfall im Lauenental, 1778
Frits Lugt Collection, Fondation Custodia, Paris
Es ist erstaunlich, wie früh auch in der Schweiz die Freilicht-Ölstudie als Medium entdeckt, ja entwickelt wurde. Massgeblich dazu beigetragen hat nicht zuletzt die Geografie des Landes selbst. Denn die Alpen, welche einen Grossteil der Schweiz ausmachen, begann man erst Ende des 18. Jahrhunderts zu erforschen. Im Zuge dieser Entdeckungen wurden die Gipfel und Höhenzüge auch beim Publikum beliebt, und es entwickelte sich ein Schweiz-Tourismus, der auch die Produktion von Bildern mit sich brachte.
Eines der spektakulärsten Projekte in dieser Zeit war die geplante Bilderfolge der Merkwürdigen Prospekte aus den Schweizer Gebürgen des Verlegers Abraham Wagner. Er wollte nicht mehr nur – wie sonst üblich – Bern, Thun und das Oberland als Bilder zeigen, sondern auch das Hochgebirge. Das war aber schwierig und das war gefährlich, doch schliesslich fand er mit Caspar Wolf den Maler, der das schaffen sollte.
Wolfs Arbeit war dann in mehrfacher Hinsicht revolutionär. Nicht nur reiste er an Orte, die vorher noch nicht gemalt wurden, sondern er schaffte es auch, die Berge in Kunstwerke zu übertragen. Daran waren alle seine Vorgänger mehr oder weniger gescheitert. Im Kontext der frühen Freilichtmalerei ist ausserdem besonders interessant, wie er sich der Bergwelt annahm: nämlich in Öl. Das war damals alles andere als gängige Praxis. Seine Ölstudien gehören damit zu den frühesten in Europa, die wir kennen – und zu den schönsten.
Der wagemutige Wolf ging dann sogar so weit, dass er die Gemälde, die er nach den Studien fertigte, nochmals auf die Schultern packte und mit in die Berge schleppte. Hier gab er ihnen den letzten Schliff – das Malen in und nach der Natur auf höchstem Niveau, wortwörtlich.