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Kunstmuseum Winterthur:

Simon Denis

Bäume vor einem Tal, um 1786-1800

Denis_Bäume

Simon Denis
Bäume vor einem Tal, o. J.
Fondation Custodia, Collection Frits Lugt, Paris

Der flämische Maler Simon Denis gehört zu den wiederentdeckten Pionieren der europäischen Freilichtmalerei. Ausgebildet in Antwerpen und Paris, reiste er bereits Ende des 18. Jahrhunderts nach Rom, wo er sich, fasziniert von der italienischen Natur, ganz der unmittelbaren Ölskizze unter freiem Himmel verschrieb.

Seine grossformatige, meisterhafte Studie zweier Bäume aus der Fondation Custodia in Paris demonstriert eindrucksvoll, warum diese frühen Arbeiten heute als revolutionäre Meilensteine gelten. Mit einem für das späte 18. Jahrhundert ungewöhnlich engen, fast fotografischen Bildausschnitt rückt Denis eine Baumgruppe ins Zentrum, die am Rande einer Anhöhe steht, und gestaltet den Hintergrund als fast monochrome Fläche, wodurch die klassizistische Genauigkeit äusserst modern inszeniert wird.

Anstatt die Bäume als rein dekorative Versatzstücke einer heroischen Ideallandschaft zu inszenieren, nähert sich Denis dem Motiv mit analytischer Präzision. Das Hauptaugenmerk liegt auf dem Studium des Lichts und der Textur: Das warme, goldene Sonnenlicht bricht sich in den Baumkronen, modelliert die plastischen Blättermassen und bringt das dichte Flechtwerk der Zweige regelrecht zum Leuchten.

Die aussergewöhnliche Grösse des Werks rückt es in die Nähe eines fertigen Gemäldes, wie es für den Salon oder für das Museum bestimmt wäre. Der unprätentiöse Naturausschnitt und die unfertige Malweise im Vordergrund verorten es aber als Studie. Gerade in dieser Schwebe zwischen Repräsentation und Intimität, Wirkungsmacht und Studiencharakter liegt der Reiz dieses aussergewöhnlichen Kunstwerks, das Denis als Meister des Fachs ausweist.