Heinrich Bürkel
Aufgang zum Parktor der Palazzo Chigi, Ariccia, um 1830
Heinrich Bürkel
Aufgang zum Parktor der Palazzo Chigi, Ariccia, um 1830
Privatsammlung Deutschland
Diese Ölstudie von Heinrich Bürkel zeigt einen überwucherten Wald, durch den eine steinerne Treppe zu einem Parktor führt. Bei dem dargestellten Motiv handelt es sich nicht um einen zufällig gewählten Waldausschnitt, sondern um einen der beliebtesten Schauplätze der Freilichtmalerei in der Umgebung Roms: den Park des Palazzo Chigi in Ariccia. Die über einer Grotte errichtete Treppe wurde von zahlreichen Künstlern festgehalten und entwickelte sich zu einem ikonischen Motiv der römischen Campagna.
Mit ihren vielfältigen Grünabstufungen lässt die Ölstudie in die verwunschene Atmosphäre des Parks eintauchen. Moose, rankende Pflanzen und dichtes Blattwerk überwuchern Felsen und Architektur. Durch die Baumkronen fällt stellenweise Sonnenlicht und erzeugt ein lebendiges Spiel von Licht und Schatten. Zugleich lenkt die Komposition den Blick unweigerlich auf das helle Tor im Hintergrund, das sich deutlich von den schattigen Partien des Waldes abhebt.
Berühmt wurde der Park durch Reiseberichte des 19. Jahrhunderts – wie jenen von Ferdinand Gregorovius –, die dem verwilderten Garten der Fürsten Chigi ein literarisches Denkmal setzten. Die Schilderung einer «wahren Wildnis», in der Bäume, Sträucher und Ranken ungehindert wachsen und vergehen, zog zahlreiche Künstler nach Ariccia. Gemeinsam mit Olevano, Tivoli und Civitella gehörte der südöstlich von Rom in den Albaner Bergen gelegene Ort zu den beliebtesten Zielen der Künstlerreisen. Die Ausflüge in die Landschaft boten den Malern eine willkommene Abwechslung zum Leben in der Hauptstadt und eröffneten ihnen die Möglichkeit, die Natur unmittelbar vor dem Motiv zu studieren.
Zugleich veranschaulicht die Studie einen für die Romantik zentralen Gegensatz: den Übergang von Dunkelheit zu Licht. Die Treppe führt den Blick aus dem schattigen Wald zu dem hell aufleuchtenden Tor und stellt die von Menschen geschaffene Architektur mit der überwuchernden Vegetation in einen spannungsvollen Kontrast.